Quelle: Portal Tirol  -  05.03.2005

Experte: "DECT-Telefon strahlt wie ein Handymast"

Elektrobiologe Andreas Kreutner warnt: DECT-Schnurlostelefone strahlen wie Handymasten. "Unsinn", meint ein anderer Experte.

 "Ich halte Elektrosmog für sehr gefährlich, da er krank macht", stellt Andreas Kreutner (47) fest. Der Elektrobiologe hat bei seinen Messungen Erstaunliches entdeckt. "Ein DECT-Schnurlostelefon ist von der Elektrostrahlung heftiger als ein Handymast."
 Er zückt sein Elektrosmog-Messgerät. Etwa 200 Meter entfernt von seinem Haus in Schwaz steht ein Handymast. Am Fenster reckt Kreutner die Sonde seines Messgerätes in die Höhe. Es beginnt leise zu schnarren. Etwa 100 Mycrowatt zeigt das Gerät an. "Mycrowatt ist die Messeinheit für Elektrosmog, eine hochfrequente elektromagnetische Strahlung", verkündet Kreutner.
 Dann misst er Elektrosmog bei seinem DECT-Schnurlostelefon. Je näher die Sonde dem Telefon kommt, desto lauter wird das Schnarren und Knacken des Messgeräts. Es zeigt 38.000 Mycrowatt an. "Das ist das 380-Fache des Handymastens." Die Strahlung des Telefons nehme jedoch mit der Entfernung rasch ab.
 "Elektrosmog ist die unsichtbare Gefahr. Man riecht ihn nicht, sieht ihn nicht und kann ihn nicht hören", sagt der Elektrobiologe. Doch es gebe Menschen, die würden die Strahlung spüren. "Das sind die Elektrosensiblen. Das sind meist Leute, die wetterfühlig sind."
 Die Folgen des Elektrosmogs liegen für Kreutner klar auf der Hand: Nervosität, Schlafstörungen, Kopfschmerzen und vieles mehr. "Auch Tinitus kann eine Folge von Elektrosmog sein."
Die Maßeinheit Mycrowatt für Elektrosmog kommt Olaf Schulz (37), Biologe des Telefonherstellers Siemens, spanisch vor.  "Diese Angabe ist physikalischer Unsinn." Die Schnurlostelefone würden zwar elektromagnetische Felder aussenden. "Aber diese sind nicht gesundheitsgefährlich. Die Werte liegen weit unter den Grenzwerten der Welt Gesundheitsorganisation WHO."
Elektrobiologe Kreutner ist klar, dass Telefonfirmen die Strahlung weitgehend bestreiten. Auch Handyfirmen würden die Daten bezweifeln.
Kennen Sie das heiße Ohr nach längeren Gesprächen am Handy? Laut Kreutner erwärmt die Microwellenstrahlung das Ohr. Er ist überzeugt: "In zwei Jahren wird auf jedem Handy stehen: Telefonieren kann tödlich sein." Das sei dann wie die Warnungen auf Zigarettenschachteln. Er selbst benützt auch ein Handy. "Ich halte es aber nie ganz ans Ohr und benütze die Freisprechanlage."
Als Fortschritts-Genger sieht sich Kreutner nicht. "Ich bin kein Feind der Technik. Man muss nur vorsichtig damit umgehen."