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ÖKO-TEST
September 2002 : Telefone, DECT
Ganz schön
sendebewusst
Digitale schnurlose
Telefone bieten hohen Bedienkomfort in peppigem Design. Doch was viele
nicht wissen: Sie holen sich damit eine permanente Strahlungsquelle ins
Haus. Alle untersuchten Produkte fielen bei unserem Test durch.
Unsere
Empfehlungen
Überlegen Sie, ob Sie eine permanente
Strahlungsquelle in Ihren Räumen dulden wollen. Wenn nicht, müssen Sie
Ihr DECT-Telefon leider abschaffen.
Wollen Sie aufs DECT-Telefon nicht verzichten, stellen Sie die
Basisstation möglichst in einer abgelegenen Ecke der Wohnung auf.
Wird Ihr Mobilteil von Standardakkus gespeist, können Sie die
Basisstation an einen unzugänglichen Ort verbannen und mit einem anderen
Ladegerät arbeiten.
Auch das Mobilteil des DECT-Telefons sendet während des Gesprächs
gepulste Strahlung aus. Halten Sie die Telefonate deshalb möglichst kurz.
Telefone mit Schnur verursachen weder bei einem analogen noch bei einem
ISDN-Anschluss bedenkliche Strahlung.
Sie
sind formschön, handlich und praktisch: Digitale schnurlose Telefone des
DECT-Standards (Digital Enhanced Cordless Telecommunications) haben in
Deutschland viele Haushalte erobert. Wer eins hat, will die Freiheit nicht
mehr missen, mit dem Telefon zwischen Arbeitszimmer, Kühlschrank und
Balkon zu wechseln. Doch die Freiheit hat ihren Preis. Ähnlich wie ein
großer Mobilfunkmast sendet die kleine Basisstation eines DECT-Telefons
permanent gepulste Mikrowellen mit einer Spitzenleistung von 250 Milliwatt
aus - unabhängig davon, ob Sie gerade telefonieren oder nicht. Inwieweit
diese Strahlung dem Menschen schadet, ist noch nicht wissenschaftlich
belegt. Es verdichten sich aber Hinweise aus Studien, dass das Nerven- und
Hormonsystem des Menschen beeinträchtigt sowie Erbgutschäden und Krebs
gefördert werden. Der Baubiologe und ÖKO-TEST-Berater Wolfgang Maes
schildert eindrucksvolle Beispiele aus der Praxis: "Ein Kunde klagte
über Schlafstörungen und Kopfschmerzen, seit gegenüber ein
Mobilfunkmast installiert wurde. Beim Messen stellte sich heraus, dass der
Sendemast noch gar nicht in Betrieb war, sondern der Übeltäter die
unscheinbare Basisstation eines zeitgleich gekauften DECT-Telefons auf dem
Nachttisch war."
ÖKO-TEST
wollte jetzt wissen, ob sich die Telefone in ihrer Strahlungsintensität
unterscheiden und ob Apparate mit unbedenklichen Strahlungswerten erhältlich
sind. Deshalb haben wir für 13 Modelle Messungen durchführen lassen.
Das Testergebnis
Elf getestete Telefone sind "ungenügend",
zwei schnitten knapp mit "mangelhaft" ab. Unsere Untersuchung
bestätigte, dass Telefone des DECT-Standards permanent eine erhebliche
Dosis gepulster Strahlen aussenden.
Die Strahlungsstärke der Telefone unterscheidet sich
je nach Produkt, ist insgesamt aber bei allen Apparaten deutlich zu hoch.
Ausgerechnet dem ISDN-Gerät, dem BeeTel 330i der
DeTeWe, liegen Nickel-Cadmium-Akkus bei. Diese belasten die Umwelt mit
Schwermetallen und leiden unter Leistungsverlusten.
Alle Telefone enthalten Platinen, die mit umweltschädlichen
halogenorganischen Flammschutzmitteln ausgerüstet sind.
PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe fand das beauftragte
Labor ebenfalls in allen Modellen, beispielsweise in den Kabeln.
Das haben wir untersucht
Gepulste
hochfrequente elektromagnetische Strahlung ist für die Gesundheit
riskanter als herkömmliche ungepulste, da sich bei gepulster Strahlung
biologische Effekte zeigen, die sonst nicht auftreten. DECT-Telefone
senden im Frequenzbereich von 1880 bis 1900 MHz gepulste Strahlung mit
Spitzenwerten von 250 mW bei einer Frequenz von 100 Hertz aus. Das
bedeutet, dass pro Sekunde rund 100 kleine "Energieblitze"
ausgestrahlt werden.
Dauersender: Geprüft wird, ob das Gerät permanent
gepulste Strahlung aussendet, unabhängig davon, ob telefoniert wird. Das
Nova-Institut in Hürth hält es nicht für ausgeschlossen, dass eine
permanente niedrige Strahlung gefährlicher ist als eine kurzzeitige höhere
Strahlung. Dauerbelastungen sollten vermieden werden, insbesondere, wenn
ihnen - wie beim DECT-Telefon - zwischen den Anrufen kein Nutzen gegenübersteht.
Die Strahlungsstärke gibt an, wie viel Sendeenergie
auf eine bestimmte Fläche einwirkt. Der gesetzliche Grenzwert liegt für
DECT-Telefone bei 9,5 Watt/m2. Das Nova-Institut empfiehlt in einem
Gutachten einen Grenzwert von 0,095 W/m2 (95 000 µW/m2). Das
Ecolog-Institut Hannover ist bei der Auswertung von 100
Mobilfunk-Gutachten allerdings zu Hinweisen gekommen, dass bereits eine
Strahlungsstärke von 10 000 µW/m2 die Gehirnströme, die Reaktion oder
die Stresshormone beeinflusst. Dr. Peter Neitzke von Ecolog leitet daraus
einen Vorsorgewert von 1000 µW/m2 ab. Die Wissenschaftsdirektion des
Europäischen Parlamentes hat sich für einen Wert von 100 µW/m2
ausgesprochen. Noch strengere Maßstäbe legen der Medizinphysiker Dr.
Lebrecht von Klitzing (10 µW/m2) und die Landessanitätsdirektion
Salzburg (0,1 µW/m2) an. Bürgerinitiativen, Forscher und der
Berufsverband deutscher Baubiologen haben 1999 von Umweltminister Jürgen
Trittin das Verbot von DECT-Telefonen gefordert. ÖKO-TEST hat die
Empfehlung des Europaparlamentes als Grundlage genommen und die Strahlung
im Abstand von einem Meter zur Basisstation bewertet. Dies entspricht etwa
der Entfernung des Menschen von der Basisstation, wenn diese auf dem
Schreib- oder Nachttisch steht.
PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe: sind umweltschädlich
bei der Erzeugung und Entsorgung.
Halogenorganische Flammschutzmittel sind ein
Umweltproblem, da einige im Brandfall besonders leicht Dioxine bilden.
Material der mitgelieferten Akkus: Geprüft wurde, ob
den Produkten Nickel-Cadmium-Akkus mit umweltschädlichen Schwermetallen
beilagen.
Die
Alternative: Telefone des CT1+-Standards
Wenn
Sie auf ein Schnurlostelefon nicht verzichten können oder wollen, bietet
sich statt eines DECT-Telefons ein Gerät des analogen CT1+-Standards an.
Diese Apparate senden nur beim Telefonieren ungepulste Signale aus. Doch
CT1+ ist nach dem Willen der Regulierungsbehörde für Telekommunikation
vom Aussterben bedroht: Neue Modelle werden nicht mehr zugelassen, schon
genehmigte dürfen noch bis Ende 2008 verkauft und benutzt werden. Danach
müssen Sie auf ein anderes Telefon umsteigen.
Allerdings darf die zugeteilte Frequenz bereits ab
1.1.2003 auch von anderen Anwendungen genutzt werden, sodass es unter Umständen
zu Störungen beim Telefonieren kommen kann.
Folgende CT1+-Geräte sind beispielsweise noch im
Handel:
Audioline
CDL 971 G
MBO Alpha 1600 CT
MBO Alpha 1610 CT
MBO Alpha 1650 CT
MBO Alpha 1680 CT
MBO Alpha 1800 CTA
MBO Alpha 1655 HS
MBO Alpha 1700 CT
Olympia Toscana
Tele2 IHear CT1+*
Topcom Cocoon 80
* Wird nur in Verbindung mit einem Tele2-Vertrag
angeboten.
So haben wir getestet
Die
Strahlungsmessungen wurden praxisnah in einem 25 Quadratmeter großen
Wohnzimmer mit großer Fensterfront, weißen Wänden, Holzfußboden und üblicher
Möblierung durchgeführt. Die Messantenne wurde in 1,5 Meter Abstand von
der jeweiligen Station aufgebaut. Ein angeschlossener Spektrumanalyser und
ein Signal- und Modulationsmeter machen dabei die Frequenz der Strahlung
und deren Intensität als Kurve sichtbar und messen sie. Berücksichtigt
wurden dabei nur die jeweiligen Spitzenwerte. Per Computer wurden die
Strahlungswerte für andere Abstände hochgerechnet und stichprobenartig
anhand weiterer Messungen überprüft. Strahlungswerte werden im Alltag
durch viele Faktoren beeinflusst: Wände schirmen beispielsweise Strahlung
ab, während es in kleinen Räumen durch Reflexionen zu höheren Werten
kommen kann.
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