ÖKO - Test

Test: Telefone, DECT

Hier geht der Funk ab

Ohne Stolperfallen und Kabelbrüche im ganzen Haus telefonieren - Schnurlostelefone machen es möglich. Doch seit unserem letzten Test vor knapp anderthalb Jahren hat sich kaum etwas getan: Alle getesteten Geräte und Basisstationen strahlen immer noch - und gefährden die Gesundheit der Benutzer.

Digitale Schnurlostelefone nach DECT-Standard (Digital Enhanced Cordless Telecommunications) sind ein Verkaufsschlager. In Europa wurden 2003 knapp 27 Prozent mehr DECT-Apparate verkauft als im Vorjahr. Hinter der schicken Fassade verbirgt sich allerdings ein Funkstandard, auf dessen problematische Eigenschaften ÖKO-TEST in den vergangenen Jahren immer wieder hingewiesen hat.
DECT hat drei wesentliche Nachteile. Erstens sind die Basisstationen von DECT-Telefonen Dauersender, die auch funken, wenn nicht telefoniert wird. Zweitens strahlen sie ungeregelt mit Spitzenwerten von 250 Milliwatt, obwohl meistens eine geringere Intensität ausreichend wäre. Drittens senden DECT-Telefone wie Mobiltelefone mit gepulster Strahlung. Dies birgt die gleichen Risiken.
Auch Behörden räumen ein, dass DECT Nachteile hat. So empfiehlt das Bundesamt für Strahlenschutz aus Vorsorgegründen, einen Daueraufenthalt in unmittelbarer Nähe zur DECT-Basisstation zu vermeiden und keine Basisstation ins Kinder- oder Schlafzimmer zu stellen. Doch noch zieht der Staat keine Konsequenzen. Das Bundesumweltministerium sieht derzeit keinen Anlass für ein Verbot des Standards.
Um zu testen, ob die Hersteller in der Zwischenzeit freiwillig ihre Produkte verbessert haben, hat ÖKO-TEST 14 DECT-Modelle in die Labore geschickt.

 

Das Testergebnis

Das Ergebnis ist ernüchternd: Acht der 14 getesteten DECT-Telefone schneiden mit "mangelhaft" ab, die restlichen sechs mit "ungenügend". Alle Geräte senden permanent eine erhebliche Dosis gepulster elektromagnetischer Strahlung aus. Das liegt am DECT-Standard.
Die Basisstationen der Telefone strahlen in einem Meter Entfernung mit 7600-18200 Mikrowatt pro Quadratmeter (µW/m²). Der gesetzliche Grenzwert liegt zwar bei neun Watt pro Quadratmeter (9000000 µW/m²). Doch Experten sehen ihn als viel zu hoch an, weil er nur die Auswirkungen durch eine Erwärmung des Gewebes berücksichtigt. Es gibt zahlreiche Hinweise, dass bereits wesentlich niedrigere Werten das Hormon-, Immun- und Nervensystem stören, die Fortpflanzung beeinflussen, Gene und Zellen schädigen.
Alle DECT-Telefone im Test enthalten halogenorganische Flammschutzmittel auf der Platine, die ein Umweltproblem darstellen.
PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe finden sich in allen Modellen. Sie stecken beispielsweise in den Kabeln, in den Kondensatorhüllen oder in der Hülle der Akkus.